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Benjamin Schieder

[TRAVEL] ALEXANDRIA

2011 January 11 | 0 comments

Die arabische Welt ist fuer mich immer wieder ein Kulturschock.
Es ist laut, es stinkt und dort, wo es am lautesten ist und am aergsten stinkt, ist der Basar, auf dem man Obst und Gemuese kaufen kann, aber vielleicht nicht unbedingt moechte.

Dieses Mal hat es mich nach Alexandria verschlagen, der beruehmten aegyptischen Hafenstadt.
Ausser dem Weg vom oestlichen Ende der "Corniche" - die Hafenstrasse - zum Bahnhof Misr Station habe ich noch nicht viel gesehen, aber man hoert und riecht die Stadt.
Es riecht nach Faeulnis, nach Gewuerzen, nach Kaffee, nach Exkrementen, nach Essen und alles zusammen vermischt sich zu einem olfaktorischen Horrortrip.

Dazu kommt der typisch arabische akustische Angriff dessen, was man hierzulange als "Strassenverkehr" bezeichnet.
Ich persoenlich bezweifle, dass es irgendwelche Mindestanforderungen gibt, um in der arabischen Welt ein Auto fahren zu duerfen; jedenfalls nichts, was ueber den Besitz eines solchen hinausgeht.
Es wird gefahren, wo Platz ist: zwischen den Spuren, auf den Tramgleisen - ob eine Tram (entgegen)kommt oder nicht hat dabei lediglich eine zweit- oder gar drittrangige Bedeutung, auf der Gegenfahrbahn, nur nicht auf den Buergersteigen. Das mag aber daran liegen, dass die Buergersteige kaum genug Platz fuer eine Person, geschweige denn ein Auto bieten wuerde.
Vorfahrtsregeln werden nach dem Recht des Lauteren geregelt: Wessen Hupe den anderen am meisten einschuechtert, der hat Vorfahrt. Entsprechend oft wird von diesem Werkzeug gebraucht gemacht.
Es wird gehupt, wenn man jemanden ueberholt, wenn man eine Kreuzung ueberfaehrt, wenn man sich zwischen anderen Fahrzeugen hindurchschlaengelt, wenn man einfach nur gerade ausfaehrt, wenn andere Fahrzeuge hupen, wenn gerade niemand anders hupt, wenn man als Taxi/Bus/Tram auf Kundensuche ist, wenn man um eine Kurve faehrt, wenn jemand am Strassenrand steht, kurz: immer und ueberall erklingen Hupen in allen Variationen: vom hohen, fast nasalen Quietschen ueber roehrende LKW-Fanfaren (die nicht zwingend von einem LKW stammen), weiter zu Tiergeraeuschen (besodners beliebt scheint hier das Ih-Ah eines Esels zu sein) bis hin zum altmodischen Scheppern einer rostigen Giesskanne, die die Treppe hinuntergeworfen wird.

Inmitten all diesen Chaos steht mein Hotel. Ich habe zwar einen wunderbaren Blick aufs Mittelmeer und den Montazah-Park, allerdings befindet sich das Hotel am ostlichsten Ende der "Corniche", also direkt an einer Kurve, die noch dazu direkt vor meinem Fenster ist.
Ich bezweifle, dass es Materialien gibt, die diese Geraeuschkulisse zuverlaessig daempfen koennte, und falls doch, dieses Hotel hat sie jedenfalls nicht verbaut.

Fast wuenscht man sich die Vuvuzelas zurueck. Aber nur fast.


EOF

Category: blog

Tags: Travel


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